Diversität - Farbe steckt an


 

Der Glanz in den Augen eines Menschen kann ein äußeres Indiz für Hingabe zu seiner Tätigkeit sein. Die Kinnlade fallen zu sehen, spricht für vollkommene Bewunderung dessen, was man sieht und der Wunsch, so wie der andere zu sein und noch besser, führt uns weg von uns selbst.

Kennen Sie Gänsehaut?

Ein Abend auf einem Schloss, Menschen, die Sie nie zuvor gesehen und gesprochen haben, warten auf die  Darbietung der Nachwuchskünstler, die  dank einer wunderbaren Kulturbeauftragten ein kostenloses Konzert geben. Keine Ahnung , was auf Sie zukommt. Ein Aushang und die Lust auf neue Eindrücke führten Sie dorthin. Die prüfenden Blicke der unterschiedlich bekleideten Menschen fallen Ihnen sofort auf. Eine Stimmung ist im Raum, die kaum greifbar ist. Alle warten, keiner weiß genau, was passiert. Die Unterhaltungen sind stockend, es sei denn, der Alkohol hat die Zunge schon etwas gelockert. In einem prunkvollen Raum werden Instrumente, Sampler und Elektronik für den Auftritt vorbereitet. Fünf junge Menschen auf der Bühne auf dem Prüfstand skeptischer Menschen, beginnen  zu singen und musizieren. Die Stimme der Sängerin hat eine Sanftheit, die einem milden Sommerwind gleichkommt. Sie ist so eindringlich, dass nicht der Wind, sondern die Stimme Ihnen Gänsehaut auf Ihrer Haut entstehen lässt.  Die Augen leuchten blau während der völligen Hingabe zu ihrem Song. Gleichzeitig hört das Publikum auf, sich gegenseitig zu prüfen, und konzentriert sich auf die Musik. Die nächste Band besteht aus einem Quartett und einer Rockband, die sich unplugged  mit einer Komposition verbunden haben, um Welten zu mixen. Sie hören den Mann neben sich, der in einem abwertend Tonfall sagt: „Das kann ja was werden, kaum aus den Windeln raus und schon die Welten verbinden wollen.“ Die Augen abgewendet, die Gedanken kreisend um den Ausredenkatalog, so dass er gesellschaftspolitisch einen galanten Abgang machen kann, bewegen sich seine inneren Schritte schon Richtung Ausgang.

Was lässt Ihre Kinnlade nach unten fallen?

Ihren Blick noch haftend an diesen Mann, durchdringt Sie eine Harmonie, eine Schwingung, die Ihren Blick wieder unweigerlich zur Bühne schweifen lässt. Schon der erste Ton durchdringt Sie, als seien Sie das Cello selbst. Etwas wirkt wie reine Magie. Sie beginnen zu bewundern und sind gefangen in einer Seifenblase aus Faszination und der Frage: „Wie schafft er das?“  Der Cellist sitzt hinten, kaum sichtbar in der Ecke und sticht mit seinem Können wie in einem goldgelben Licht hervor. Er strahlt von innen und außen. Sein junges Gesicht zeichnet reine Hingabe zu seinem Instrument ab. So, als seien sie eine Einheit. Selten haben Sie so viel Liebe bei einem Musiker wahrnehmen können. Das letzte mal war es bei einem Konzert von Bobby McFerrin der es schaffte, mit feurigen Augen und reinem Körpereinsatz das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Sie merken gar nicht, dass Ihre Kinnlade vor lauter Staunen nach unten geklappt ist und der pöbelnde Mann von eben Ihnen mit dem Finger den Unterkiefer wieder hinaufschiebt. Sie hören nur aus der Ferne die Worte: “Na, so gut war es jetzt auch nicht, dass Sie nun maulaffenfeilhaltend wie angewurzelt stehen bleiben müssen“. Noch nach Worten suchend, um sich erklären zu wollen, durchläuft Ihr Gehirn eine ungewollte Meisterleistung. Sie graben die Momente in ihrem Leben aus, die Sie schon so oft und ungewollt die Kinnlade nach unten haben fallen lassen. Davon gab es so einige.

Wieso ist das Funkeln wie ein Magnet? Woher kommt dieser Sexeppeal?

Der  Kommilitone einer Freundin, der bei jedem Treffen sein Notizbuch auspackte und Kunstwerke entstehen ließ, für die Sie monatelange Malstunden absolvieren müssten und doch nur ein Strichmännchen als Ergebnis herauskommen würde. Sie waren immer fasziniert davon, mit welcher Ruhe und Leichtigkeit er Strich für Strich verband. Die grünfunkelnden Augen zogen Sie oftmals magisch an. Sie wussten schon zu Studienzeiten, dass er ein geborener Künstler ist. Nur leider hat es nie einer gesehen und heute erhält er Hartz IV. Dann ist da noch ihr Kollege, der Zahlenjongleur. Jede Tabelle lässt seine Augen in einem dunklen braun leuchten und sein Lachen kommt einem Honigkuchenpferd nahe. Der Vertriebler sticht mit seinen Türkis funkelnden Augen aus der Masse sobald er den Mund aufmacht. Er ist in vieler Leuts Augen ein Placebo. Sie müssen immer wieder den Kopf über so viele rhetorische Raffinessen schütteln. Keine Daten, kein Wissen von der Materie und macht einfach so aus dem Stehgreif aus Sch... Gold. Jedes mal hören Sie aus den Reihen, wie toll er das macht und gleichzeitig zerreißen sich alle den Mund über soviel Arroganz. Der kommt einfach rein, sagt drei Worte, bekommt eine Menge Geld dafür und geht wieder. Auch wenn Sie wissen, dass er im Unternehmen das Zugpferd für die besten Aufträge ist, finden es alle als himmelsschreiende Ungerechtigkeit, für soviel Luft Lob und Anerkennung zu erhalten.

Zuletzt fällt ihnen noch die anziehende Gastronomin ein. Mit ihren dunkelbraunen, fast schon schwarzen Augen sind sie in einem Sog, sobald sie bedient werden. Sie schafft es, Ihre Wünsche zu erkennen, bevor Sie diese in ihrem Kopf als Worte formulieren können. Die fürsorglich zurückhaltende und galante Art zieht Sie jedes Mal aufs Neue in Ihren Bann. Eine Punktlandung. Sie wirkt so sexy, dass Mann und Frau gleichermaßen angezogen sind, ohne es direkt in Worte fassen zu können.

Wissen Sie was Ihre Farbe ist?

Gestern noch standen Sie auf dem Golfplatz und mühten sich ab, Ihr Handycap zu verbessern. Die Speckrollen bei der eindrehenden Bewegung während des Abschlag begleitet Sie schon seitdem Sie aufgehört haben, Ihrer Leidenschaft im Vereinssport nachzugehen. Alles andere wurde wichtiger, um besser zu sein, als der Vertriebler, schöner zu malen als Ihr ehemaliger Kommilitone und allen Ihre Bedürfnisse unaufgefordert zu erfüllen. Im Laufe Ihres Lebens gab es eine Vielzahl von Menschen, die Sie bewunderten für ihre Hingabe und Leidenschaft der Dinge, die ihnen entsprachen. Bei all diesen Menschen sahen Sie dieses Funkeln in den Augen, diese vollkommene Zufriedenheit. Das Funkeln war manchmal so stark, dass Sie geblendet vor Schönheit waren und je nachdem, bei wem Sie es erkannten, teilten Sie es ihm mit oder zogen Ihre Sonnenbrille auf, um die Coolness zu bewahren und bloß nicht dem anderen Anerkennung für sein Talent zu offenbaren. Das Suchen im Außen und das Erreichen der eierlegenden Wollmilch... hat die Farben der Außenwelt mit Ihrer vermischt und heute wissen Sie gar nicht mehr genau, was Ihre Farbe, Ihre Einzigartigkeit und Ihre wahre Begabung ist. Sie glauben, Sie sind ein Stück von Blau, denn Zahlen beherrschen Sie nun auch. Sie glauben, Sie sind etwas von Dunkelbraun, denn bedürfnisdeckend geben Sie dem anderen alles, bevor er fragt. Akquisition ist Ihnen zwar lästig und doch schaffen Sie es immer wieder und Malen nach Zahlen gelingt Ihnen auch einigermaßen. Der letzte Gedanke geht an Ihre eigene Vergangenheit. Früher, irgendwann einmal, hatten Sie die Menschen mit ihren Texten beeindruckt. Sie wissen noch, mit welcher Euphorie und Freude Sie Ihre humorvollen und mit Pfiff besetzten Texte nach Ihrem Marketingstudium in einer PR-Agentur zum Besten gaben. Jeder war von Ihnen beeindruckt. Es gab Zeiten, in denen Sie die magische Aura Ihrer Person spürten und es genossen, dass man Sie bewunderte für Ihr Talent. Wann es verloren ging, wissen Sie nicht mehr, Sie wissen nur, dass Sie in Bereiche ihres Lebens gingen, die Ihren Augen das Strahlen nahmen. Ein Stückchen tiefer in der Ecke, neben Ihrem Herz ist noch die kleine Kiste, die Ihre Farbe hütet, in der Hoffnung, dass Sie eines Tages das Schatzkästchen öffnen und Farbe bekennen.  

Setzen Sie auf Großartigkeit anstelle von Gleichheit, in dem Sie mit Ihrer Farbe der Welt begegnen.